2b.gif (261 Byte)       Leitbild der Evgl. Kirchengemeinde Solingen - Dorp

Interview mit Ulrich Göbeler über den Dorper Leitbildprozess

„Vergewissern, ob man noch auf Kurs ist“

Ulrich Göbeler moderiert den Dorper Leitbildprozess. Der studierte Kunstpädagoge, der in den neunziger Jahren eine Zeit lang Mitglied des Dorper Presbyteriums war, leitet hauptberuflich ein evangelisches Gymnasium. Wilfried vom Baur hat ihn zum Leitbildprozess befragt.

 

 

 

 

Herr Göbeler, warum haben Sie vor etwa einem halben Jahr einen Leitbildprozess für die Evangelische Kirchengemeinde Dorp vorgeschlagen?

Nach einem Gespräch mit einem Dorper Pfarrer über die Situation in der Gemeinde, merkte ich bald, dass nicht nur die äußere Hülle, hier in Form der Dorper Kirche, saniert, sondern dass auch die innere Struktur unserer Gemeinde neu ausgerichtet werden muss, um zukunftsfähige zu sein und zu bleiben. Da ich viel mit Organisationsentwicklung beschäftigt bin, habe ich das Angebot gemacht, diesen Prozess zu moderieren und das Presbyterium hat es angenommen.

Leitbildprozess - was ist das eigentlich?

So ein Prozess ist eine Art Reise. Eine Gemeinde ist wie ein großes Schiff, das auf hoher See unterwegs ist. Damit es nicht orientierungslos umher dümpelt, sind ein Zielhafen, eine Reiseroute und Bordmittel notwendig. Ein Leitbild hilft, den Zielhafen zu beschreiben und die Route festzulegen. Die nötigen Bordmittel sind dann schon ausreichend vorhanden.

Inzwischen hat die Gemeindeleitung einen Leitsatz beschlossen. Warum ist ein Leitsatz so wichtig?

Ein Leitsatz ist wie ein Verkehrsschild: In wenigen Worten wird das Wesentliche zusammengefasst und man wird unmittelbar auf das Wichtigste verwiesen. So kann man sich schnell vergewissern, ob man noch auf Kurs ist.

Sie begleiten den Leitbildprozess und leiten die „AG Zukunft“, die den Prozess steuert. Wo haben Sie das gelernt?

Seit vielen Jahren bin ich Leiter eines großen evangelischen Gymnasiums mit Internat in kirchlicher Trägerschaft in Hilden. Anders als die staatlichen Schulen gestalten wir unseren Alltag selbstständig. Daher habe ich viel berufliche Erfahrung in Entwicklungsprozessen und Organisationsfragen. Eigene Fort- und Weiterbildung sowie Erfahrungen in der systemischen Organisationsentwicklung ergänzen dies.

So ein Leitbildprozess hört sich nach viel Arbeit an: viele Sitzungen, viele Papiere. Was kommt für die Gemeinde dabei heraus?

Ganz allgemein gilt der Satz: Was ich investiere, bekomme ich auch zurück! Natürlich müssen Sitzungen sein, auch Papiere, denn das was da beraten und beschlossen wird, soll ja auch verbindlich gemacht werden. Wir alle befinden uns ja täglich in Veränderungsprozessen, wo wir uns immer wieder neu anpassen und neu orientieren müssen und in unseren Zeiten besonders. Wir haben in Deutschland und auch in unserer Gemeinde lange in dem Traum gelebt, wir seien von Veränderungen verschont und könnten so weiterwirtschaften wie bisher. Dass dieser Traum von brutalen Realitäten längst überholt ist, wollen viele noch nicht wahr haben. Daher hilft dieser Entwicklungsprozess, die Neuausrichtung zu erleichtern, wieder Freude an der Gestaltung des Gemeindelebens und des Gemeindeaufbaus zu gewinnen und Menschen etwas von der großen Freiheit, die uns geschenkt ist, weiter zu geben.

Also: Was jeder von uns aus der Gemeinde in die Gemeinde investiert, das wird ganz schnell wirksam werden. Nehmen Sie nur die Dorper Kirche als Beispiel. Und wenn wir gemeinsam ganz viele kleine Ruderpinnen bedienen und in eine Richtung steuern, dann wird daraus eine fröhliche Überfahrt.

Ulrich Göbeler