Nothilfe per Anruf: Telefonseelsorge

Als Volker D. seinen langjährigen Arbeitsplatz verliert, will ihn niemand wieder einstellen. Mit 50 Jahren ist er reif für das berufliche Abstellgleis. Behördengänge werden nun zu seiner neuen Beschäftigung: Arbeitsamt, Wohnungsamt, Sozialamt... Auch zu Hause wird es immer schlimmer. Der erwachsene Sohn, selbst auf Arbeitssuche, will Hilfe vom Vater. Doch Geld ist nicht da, mit dem er seinen Sohn unterstützen könnte. Volker D. fängt an zu trinken. Aus einem Bierchen am Abend werden bald mehr, um das Gefühl der Sinnlosigkeit zu betäuben. Gleichzeitig schämt sich D. dafür, seine Kontakte werden immer weniger.
Als sein Geld wieder einmal alle, das Gefühl, einsam zu sein, aber umso größer ist, sieht er in einer Telefonzelle den Hinweis auf die kostenfreie Nummer der Evangelischen Telefonseelsorge 0800-1110111. Irgendwann ist das Gefühl der Verzweiflung größer als seine Hemmung. Er ruft an.
Das war vor 3 Jahren. Wenn er sich wieder einmal richtig mies fühlt, richtig verzweifelt, dann ruft er seitdem regelmäßig an. Und am anderen Ende der Leitung sitzt immer jemand, der ihm zuhört – jedenfalls für eine knappe halbe Stunde, bis er sich wieder etwas besser fühlt.

Waldemar Schmalz

Die erste deutsche Telefonseelsorge (TS) wurde am 6. Oktober 1956 in Berlin gegründet. In Solingen feiert die TS im Jahr 2002 ihr 25jähriges Bestehen. Heute gibt es in Deutschland über 104 TS-Stellen. Davon sind 30 Stellen in evangelischer, 9 in katholischer und die übrigen in gemeinsamer Trägerschaft. Im Jahr 1998 nahmen diese ca. 1,3 Mio. Anrufe entgegen. Das sind statistisch 2,5 Anrufe pro Minute rund um die Uhr. In den TS-Stellen leisten rund um die Uhr mehr als 7000 ehrenamtlich Mitarbeitende, sowie 300 Hauptamtliche und 600 Honorarkräfte ihren Dienst.
Von den Anrufern wählen etwa zwei Drittel mehrfach oder häufig die Nummer der TS. Die meisten sind zwischen 30 und 50 Jahren. Mehr als 80 Prozent wollen anonym bleiben. TF

 

Grundsätze der Telefonseelsorge:

Anonymität: Niemand wird nach seinem Namen gefragt.

Verschwiegenheit: Alle Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht.

Erreichbarkeit: Die Telefonseelsorge ist unter 0800-1110111 24 Stunden 7Tage die Woche erreichbar.

Ideologiefreiheit: Niemand wird religiös, politisch oder weltanschaulich bedrängt.

Kostenfreiheit: Für Anrufende entstehen keinerlei Kosten – weder für die Beratung noch für das Telefonat.

Wenn Sie Fragen haben, an einer Mitarbeit interessiert sind oder weitere Informationen wünschen, schreiben Sie an: Telefonseelsorge Solingen, Postfach 100190, 42601 Solingen.
Spenden können Sie auf das Konto 531 855, bei der Stadtsparkasse Solingen (BLZ 34250000).
Geleitet wird die Evangelische Telefonseelsorge Solingen durch Diakon Waldemar Schmalz.
Infos im Internet unter „www.ekir.de/angebote/ts-index.stm".

dazu:

Foto: Mitarbeiter der Telefonseelsorge

Logo: Telefonseelsorge