Profil evangelischer Kindergartenarbeit
im Kirchenkreis Solingen

1. Das christliche Menschenbild

Grundlage für die Arbeit in evangelischen Tageseinrichtungen ist ein christlich geprägtes Menschenbild: Als Geschöpf Gottes ist jeder Mensch, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft und Gaben, von Gott gleich geliebt und angenommen.

Jeder Mensch hat von Gott geschenkte Fähigkeiten, die es zu entdecken und zu f'ördern gilt, damit der Mensch diese zum Nutzen für sich und andere einsetzen kann.

So geht es uns in der Nachfolge Jesu Christi um die Weitergabe seiner Botschaft von der vergebenden Liebe Gottes für alle Menschen in Wort und Tat; dabei ist unser Handeln geprägt von der menschlichen Verantwortung, für die ganze göttliche Schöpfung (Bewahren und Bebauen).

 

2. Qualität der pädagogischen Arbeit in evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder

Die pädagogischen Arbeit in evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder orientiert sich an folgenden Qualitätskriterien:

Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder

• sind ein Angebot der Gemeinde für Kinder und Familien,
• eröffnen Kindern und Erwachsenen Zugänge zu Inhalten des christlichen Glaubens und christlichen Traditionen,
• bieten Kindern einen christlichen Lebensraum, der sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert, und berücksichtigen dieses bei der Raumgestaltung
• legen Wert auf die Gestaltung von partnerschaftlichen Beziehungen zu Kindern und Familien,
• haben eine klare Konzeption und legen Wert auf Transparenz,
• nehmen Veränderungen im gesellschaftlichen Leben wahr und setzen sich damit auseinander,
• berücksichtigen unterschiedliche Bedarfssituationen der Kinder und Eltern,
• bieten Kindern ganzheitliche Förderung der Persönlichkeit durch optimale Entwicklungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Bereichen,
• gestalten Erfahrungsräume, in denen Kinder zur Eigenaktivität ermutigt werden
• fördern die soziale Kompetenz der Kinder
• f'ördern die Sachkompetenz der Kinder
• haben Rahmenbedingungen, die eine qualitativ gute pädagogische Arbeit ermöglichen und setzen sich bei Verhandlungspartnern und in der Öffentlichkeit f'ür deren Erhalt ein,
• haben Mitarbeiterinnen/ Mitarbeiter mit fachlicher Kompetenz,
• bieten verlässliche Bezugspersonen,
• bieten Eltern Gesprächsbereitschaft,
• tragen Sorge für personelle Rahmenbedingungen, die Vor- und Nachbereitungszeiten und Fortbildungen ermöglichen,
• legen Wert auf Elternbeteiligung im Rahmen der vorliegenden Konzeption,
• arbeiten mit Institutionen zusammen, die für die Entwicklung des Kindes erforderlich sind,
• reflektieren regelmäßig die pädagogische Arbeit

 

3. Evangelische Erziehung

Ein besonderes Anliegen evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder ist eine Erziehung, die sich am Evangelium orientiert.
Das Evangelium von Jesus Christus ermutigt die Mitarbeiter/innen, offen auf Kinder und Erwachsene zuzugehen, ihnen zuzuhören, von unserer Hoffnung zu erzählen, und sie zu einem Austausch einzuladen.
Beim Erzählen und im Erleben von biblischen Geschichten, dem gemeinsamen Beten und Singen von Liedern, beim Feiern kirchlicher Feste und gemeinsamer Gottesdienste lernen Kinder und Eltern die christlichen Traditionen, Rituale und Symbole kennen.
Im täglichen Miteinander erleben Kinder und Eltern durch Anregung und Vorbilder gegenseitige Achtung und Verständnis und finden ein offenes Ohr für ihre Fragen. Gemeinsam lernen sie Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung zu übernehmen.

Kinder und Erwachsene erfahren, was es heißt, ein Geschöpf Gottes zu sein und als solches seinen eigenen Platz in der Gemeinschaft zu haben.

Evangelische Erziehung geschieht in den einzelnen Einrichtungen auf unterschiedlichste Art und Weise:
- Grundlage ist das Miteinanderleben der Erzieher/innen und Kinder im Alltag.
- Kinder lernen die Bibel und Personen aus dem Alten und Neuen Testament kennen durch das Erzählen und Erleben von biblischen Geschichten. Dabei gibt es eine Vielfalt von Methoden.
- Gemeinsam werden Feste im Kirchenjahr begangen und erfahren.
- Regelmäßige Kindergarten-Gottesdienste werden gefeiert,
- Familiengottesdienste mitgestaltet,
- an Kinder-Bibel-Wochen teilgenommen.
- Freie oder feste Gebete gehören zum Alltag und werden gemeinsam gesprochen bei Mahlzeiten, Festen oder anderen Gelegenheiten.
- Lieder werden gesungen.
- Pfarrer/Pfarrerinnen, Kinder, Eltern und Erzieher/Erzieherinnen begegnen sich im Alltag und lernen sich kennen beim Erzählen der biblischen Geschichten, bei Gottesdiensten, bei Elternabenden.
- Eltern erhalten Orientierung für die christliche Erziehung ihrer Kinder, durch Gespräche mit den Erzieher/innen, dein Pfarrer/der Pfarrerin, durch das Miterleben des Alltages und der Gottesdienste.

Die Mitarbeiter/innen finden Unterstützung und Begleitung durch das Team, die Leitung, den/die Gemeindepfarrer/in und vielfältige Fortbildungsangebote.

 

4. Interreligiöses Miteinander

Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder sind offen für Kinder anderer Religionen und für Kinder, die keiner Religion angehören. Das heißt konkret:
- gegenseitiges Kennenlernen der Kulturen, der Werte und der Glaubensrichtungen
- gegenseitiger Respekt im Umgang miteinander
- Wahrnehmen von Gemeinsamem und Unterschiedlichem
- Aufbauen von vertrauensvollen Beziehungen
- Bewusstmachen der eigenen religiösen Position
- Einladung aller zu Veranstaltungen des Kindergartens und anderer Gemeindegruppen

 

5. Lebensraum Kindergarten im Kontext des Gemeindelebens

Die evangelische Tageseinrichtung für Kinder ist ein Erfahrungsraum, für Menschen verschiedener Generationen. Hier begegnen sich Menschen aus unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Strukturen.
Sie ist ein Treffpunkt für Familien in der Gemeinde.

Kindergartenarbeit ist Gemeindearbeit. Evangelische Kirchengemeinden nehmen mit der Kindergartenarbeit einen eigenen diakonischen und sozialen Auftrag wahr. Sie sehen in ihrer Tageseinrichtung für Kinder einen wesentlichen Teil der Gemeindearbeit für Kinder und Familien.

In Erfüllung dieses Auftrages unterstützt die Kirchengemeinde die Eltern bei der christlichen Erziehung ihrer Kinder. Damit übernimmt sie die Verantwortung gegenüber den Kindern, ihnen das Evangelium weiterzusagen und Hilfen zum eigenen Glauben zu geben.

In evangelischen Tageseinrichtungen finden Kinder einen christlichen Lebensraum, der sich an ihren Bedürfnissen orientiert.
Durch vielschichtigen Erfahrungsmöglichkeiten erhalten sie die Chance, eine selbstbewusste, selbstständige und verantwortungsvolle Persönlichkeit zu entwickeln.

Der Lebensraum Kindergarten bietet viele Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Gemeindegruppen.

Kinder- und Jugendarbeit beginnt u.a. in den Tageseinrichtungen für Kinder und wird durch haupt- und ehrenamtliche Jugendmitarbeiter fortgeführt, die zu unterschiedlichen Gruppen einladen.

Familien bekommen und behalten durch die Tageseinrichtung (wieder neuen) Kontakt zum Gemeindeleben.

Familien- und Kindergottesdienste bieten Begegnungsmöglichkeiten mit anderen Gemeindegliedern.

Neben dem Kindergarten werden Kirche und Gemeindehaus als Erfahrungsräume (neu) entdeckt.

So eröffnen Evangelische Kirchengemeinden in ihren Tageseinrichtungen Kindern und Erwachsenen Zugänge zu religiösen Inhalten des Glaubens und christlichen Traditionen

 

6. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter evangelischer Tageseinrichtungen sollen der evangelischen Kirche angehören.
Sie verstehen sich als Teil der Gemeinde Jesu Christi, interessieren sich für das Gemeindeleben vor Ort und zeigen Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine positive Grundhaltung zum Leben und können sich gut in andere Menschen einfühlen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in evangelischen Tageseinrichtungen haben fachliche Kompetenz, sind kontaktfreudig, teamfähig, flexibel, offen, selbstbewusst und belastbar. Sie sind bereit und erhalten Gelegenheit, sich fortzubilden.

Die Mitarbeitenden bringen Grundkenntnisse von christlichen Festen und biblischen Geschichten mit.
Sie sind bereit zur Auseinandersetzung mit religionspädagogischen Konzepten, dem christlichen Glauben und Leben sowie zur Teilnahme an religionspädagogischen Fortbildungsveranstaltungen.

Um den Kindern religiöse Grunderfahrungen zu ermöglichen, ist es wünschenswert, dass die Mitarbeitenden im christlichen Glauben beheimatet sind. Dies ermöglicht es ihnen, auf elementare religiöse Fragen der Kinder persönlich zu antworten, das Miteinander zu gestalten und Glauben erlebbar zu machen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter respektieren andere religiöse Glaubensrichtungen und sind bereit, sich darüber zu informieren.

 

7. Gemeinwesenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder

Die Arbeit der evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder ist Teil des vielfältigen Lebens im Stadtteil. Sie orientiert sich darum auch den Lebenssituationen der dort lebenden Kinder und Familien.

Evangelische Tageseinrichtungen für, Kinder führen kein Insel-Dasein, sondern bieten Möglichkeiten zur Vernetzung im Stadtteil/im Gemeinwesen.

Durch die Öffnung nach außen wird die Arbeitsweise der Einrichtung transparent.

Die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen und Personen ist wichtig und geschieht, um die Entwicklung der Kinder zu fördern und die Familien zu unterstützen.

Das Miteinander, die Mitarbeit und Mitverantwortung aller Beteiligten wird dadurch angeregt.