Stephanie Schlüter,
ein Portrait

 
Ein Chor, in dem jeder seinen Platz findet

Stephanie Schlüter prägt und gestaltet
die Dorper Kirchenmusik

 

Wenn eine sangesbegeisterte junge Sängerin die Einladung, in einem Kirchenchor zu singen erst energisch ablehnt „Kirchenmusik ist echt nicht meine Musik!“ und ein halbes Jahr später voller Begeisterung über Brahms, Prätorius, Händel und Bach sagt „Ich liebe diese alte Musik!“, dann ist in der Zwischenzeit etwas geschehen. Etwas, das neugierig macht.
Brahms, Prätorius, Händel und Bach haben Musik komponiert, die aus sich selbst heraus wirkt. Um den Schatz in ihren Werken erleben zu können, muss man den Zugang zur Musik finden. In der evangelischen Kirchengemeinde Solingen Dorp ist es die Kantorin Stephanie Schlüter, die diesen Zugang zu alter und junger Kirchenmusik vermittelt. Ihre Art, die Dorper Kantorei zu führen, Proben zu leiten, bringt auch junge Menschen dazu, Proben trotz des hohen Tempos durchzuhalten, anspruchsvolle Passagen täglich zu üben, alte Musik auch zu Hause zu hören.
 
Man muss Chorproben unter Stephanie Schlüters Leitung erlebt haben, um das zu verstehen. „Sie erklärt viele Passagen in einem Stück, das hilft einem zu verstehen, wie man singen sollte. Aber erst wenn man sie beim Dirigieren sieht, dann kapiert man richtig, worum es bei der Musik geht“, beschreibt die die 20-jährige Saskia den Zugang, den sie zur Chormusik gefunden hat. Die Proben haben bei aller Ernsthaftigkeit, mit der geprobt wird, etwas Heiteres, Vergnügliches. So auch an diesem Freitagabend, dem wöchentlichen Probentag der Dorper Kantorei. „Hört mal genau hin, das ist eine wunderschöne Passage, traut euch, genießt sie!“, ermuntert Stephanie Schlüter heute den Alt zu einer Solopassage. Die Kantorin fordert nicht, lauter zu singen, nein, sie fordert nur, die Stelle zu genießen. Das spornt an, sich an dieser Stelle besonders um den richtigen Ausdruck zu bemühen. Ein anderes Mal muss der Sopran bis zum hohen 'g'. „Ihr habt dieses Stück schon sehr gut gesungen, nur das 'g' kam nicht sauber. Einige ...