Blood, Bones & Butter: Mein Leben ohne Rezept

Der Autobiografie-Tipp
Blood, Bones & Butter:
Mein Leben ohne Rezept
von Gabrielle Hamilton

Gabrielle wächst in Pennsylvania auf zwischen
französischer Landküche der Mutter und den
Grillfesten des Vaters. Als die Eltern sich trennen,
zerstreuen sich die fünf Kinder in alle Himmelsrichtungen.
Gabrielle jobbt sich leidvoll durch
das Gastronomiebusiness, versucht vom Kochen
loszukommen, kehrt aber immer wieder zurück –
denn nur so gelingt es ihr, die goldenen Jahre ihrer
Kindheit innerlich festzuhalten. Erst als sie die Literatur
als Autorin kennenlernt, wird sie frei genug,
auch das Kochen als Kunst zu betrachten.
Sprachlich gleicht ihr Buch einem deftigen Bauerngericht,
und man nimmt ihr die frech und
selbstironisch beschriebenen Zweifel, Um- und
Irrwege ihres Lebens ab, das schließlich doch zu
einer Tellerwäscher-Karriere wird: Nach Jahren des
Chaos und der Einsamkeit steht sie in einem wahrgewordenen
Traum, ihrem eigenen Restaurant,
dem äußerst beliebten, erdverbundenen „Prune“
(benannt nach dem Kosenamen, den ihre Mutter
ihr gab) im New Yorker East Village. Dort regieren
bis heute einfache, unverfälschte Gerichte mit
französischem und italienischem Einschlag, den sie
der Familie ihres Mannes zu verdanken hat.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

von John Green

 

Hazel ist 16 und seit drei Jahren Krebspatientin ohne Heilungschancen. Ausgerechnet in ihrer ungeliebten Selbsthilfegruppe trifft sie Augustus, den ein ähnliches Schicksal erwartet. Anstelle einer rührenden Krebsstory entwickelt der Autor eine schonungslos, zuweilen humorvoll und dabei unendlich einfühlsam erzählte Liebesgeschichte, der man sich schon nach wenigen Kapiteln nicht mehr entziehen kann. Unmittelbar hat der Leser teil an den Ängsten der beiden Jugendlichen voreinander, vor dem Sterben, das sie erwartet, vor den Schmerzen, die man damit dem anderen und auch der Familie zufügen wird, vor der Wut, diesem Schicksal ausgeliefert zu sein, obwohl man doch gerade dabei ist, die Welt in ihrer ganzen Buntheit und Fülle zu entdecken und wertzuschätzen. In all dem Leid, das diese Geschichte begleitet, liegt jedoch auch die Gewissheit, dass sich hier zwei Menschen gefunden haben, die in der „kleinen Ewigkeit“ ihrer Liebe zu einer miteinander geteilten Intensität und Tiefe der Gefühle, Gedanken und auch Freuden finden, wie sie vielleicht nur unter diesen Umständen erlebbar wird. „Ich wollte eine Geschichte schreiben, in der wir sehen, wie etwas von dieser Liebe überlebt – sogar den Tod." Und genau das hat John Green meisterhaft verwirklicht.

 

Engelspfade

von Alice Peterson

 

Ein Autounfall macht jäh alle Zukunftspläne der 19-jährigen Cassandra zunichte. Als sie im Krankenhaus aufwacht, sieht sie sich damit konfrontiert, querschnittsgelähmt zu sein und für jede noch so kleine Aufgabe Hilfe zu brauchen. Statt auf die Schauspielschule zu gehen, hockt sie tagaus, tagein im Haus der Eltern in ihrem verhassten Rollstuhl. Statt mit ihrem früheren Freund etwas zu unternehmen, ist sie einsam. Sie gibt sich selbst auf, bis ihre Mutter sie mit den „Helping Hounds“, einer Vermittlungsorganisation für Behindertenhunde, bekannt macht. Cass lernt dort andere Behinderte kennen, die mithilfe der ausgebildeten Hunde ihren Alltag besser meistern. Durch Ticket, einen Golden Retriever, findet sie wieder einen Zugang zur alltäglichen Welt. Sie baut ein neues Selbstwertgefühl auf, sucht sich Arbeit, reitet sogar wieder, und... Mehr wird nicht verraten!

Ich habe dreimal angefangen, dieses Buch zu lesen, bis ich meine Feigheit überwunden hatte, mich mit den Problemen einer Behinderung zu befassen. Ich habe weiter gelesen, und es ging mir unter die Haut, wie junge Menschen es schaffen, mit einem Leben im Rollstuhl umzugehen, und wie sie Wege suchen, wieder Freude zu empfinden. Empfehlenswert!

 

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

von Rachel Joyce

 

Wenn einer einfach losläuft, kann sich einiges ändern! Eigentlich wollte Harold nur einen Brief an seine alte Arbeitskollegin Queenie einwerfen, die an Krebs erkrankt im Sterben liegt. Aber dann läuft Harold immer weiter: von Südengland an die schottische Grenze, fast 1000 Kilometer in Segelschuhen und bis an den Rand der Erschöpfung. Denn solange Harold pilgert, wartet Queenie auf ihn und bleibt am Leben. Bald wird die Wanderung wird auch zur Reise zu sich selbst: „Das Laufen befreite die Vergangenheit, der er zwanzig Jahre lang aus dem Weg gegangen war. ... Er maß die Entfernung nicht mehr in Kilometern, sondern in Erinnerungen.“

Bis zu seinem Aufbruch hatte Harold seit Jahren ein unspektakuläres Leben in lähmendem Alltagstrott verbracht. Die Liebe zu seiner Frau Maureen war immer mehr verblasst.

Jetzt trifft Harold Menschen, die ihm helfen und persönliche Dinge anvertrauen. Er hört einfach zu. Mit jedem zurückgelegten Kilometer entfernt er sich von seinem bisherigen Dasein. Als Maureen ihm hinterher reist, bringt seine neue Vitalität auch sie gehörig durcheinander. Und dies ist erst der Anfang … 

 

 

Und dann kam Paulette

von Barbara Constantine

 

Allein auf einem großen Hof kann das Leben recht trist sein. Das merkt auch Ferdinand, nachdem ihm nur die Katze geblieben ist. Es regnet in Strömen und eben diese Wetterlage wird Ferdinands Alltag verändern, denn sie setzt das Haus seiner alten Nachbarin unter Wasser. Mit Madame Marcelines Umzug auf Ferdinands Hof beginnt das große Experiment einer Wohngemeinschaft. Bald stoßen die „Geschwister Lumière“ dazu, zwei ältliche Damen, die gezwungen waren, ihr Haus abzugeben, und auch die junge Krankenschwester Muriel. Für so ein attraktives Wohnen verabschiedet sich sogar der Obdachlose Kim von seinem unsteten Dasein, und den Reigen der Zugezogenen schließt dann Paulette.

Unter ihrem neuen Dach nähern sich die Generationen einander vorsichtig an, jeder bringt ein, was er kann, und sie lernen, ihr Leben gemeinsam zu genießen. Das ist vielleicht ein bisschen zu ideal, um wahr zu sein, aber macht trotzdem Mut, neue Wege des Zusammenlebens zu beschreiten – und die Internetseite www.zusammen-alt-werden.de, die die Figuren am Ende des Romans gründen, ist keine Fiktion ...