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Shakzoda und das Feuer

Das vierjährige Mädchen aus Usbekistan wird nach einem schweren Brandunfall im Friedensdorf und einem Emmericher Krankenhaus wieder gesundgepflegt. Das kostet Geld. Zwei Solinger Ex-Feuerwehrleute fuhren sogar auf eine 6000 Kilometer lange Rallye, um für Ihre Behandlung zu sammeln.
Text und Fotos Uli Preuss

Verbrannte Haut tut unendlich weh, die Narben und Verstümmelungen danach behindern ein Kind ein Leben lang. Das wissen schon die Kleinsten im Oberhausener Friedensdorf. Viel zu oft müssen dort brandverletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten wieder gesund gepflegt werden.
 Meist, weil in ihren Heimatländern eine sofortige Behandlung nach einem Unfall mit Feuer schlichtweg nicht möglich oder für die Eltern einfach zu teuer ist. In der „ersten“ und der „dritten“ Welt zeigen sich gewaltige Unterschiede in der Behandlung – auch und gerade bei Brandopfern.
Friedensdorf in Dorp


Wer könnte das besser erklären als Friedensdorf-Mitarbeiterin Vivian Hagedorn. Vivian wurde auf einer Abiturfeier in ihrer Heimatstadt Bottrop quasi aus einem dummen Streich heraus angezündet. Ihr Kostüm, das zum großen Teil aus Watte gebastelt war, stand in Sekunden lichterloh in Flammen. Schwer verletzt wurde die damals 17-Jährige per Hubschrauber ins
Bergmannsheil-Krankenhaus nach Bochum gebracht, lag dort dreiWochen auf der Intensiv- und weitere vier Wochen auf einer normalen Station. „Niemals hätte ich das ohne diese hier übliche hochmoderne Rettungskette geschafft“, sagt sie heute.
Ganz anderes wäre es ihr zum Beispiel in Angola gegangen, wenn ihre Eltern noch dazu arm gewesen wären.


Friedensdorf in Dorp
Ich erinnere mich an Angola 2006. Damals bereiteten wir verletzte Kinder in der angolanischen Hauptstadt Luanda auf ihren Flug in deutsche Krankenhäuser vor. Mir fiel dabei sofort das kleine Mädchen auf, das augenscheinlich keine oberflächlichen Gebrechen hatte, aber unbeholfen aus dem Bus kletterte und auf allen Vieren auf mich zu kroch. Schnell war klar, dass das Kind nicht spielte. Die Kleine konnte gar nicht aufrecht gehen, schwere, bis dato im Heimatland nicht behandelte Brandnarben in den Kniekehlen ließen einen normalen Gang nicht mehr zu. Die Haut an Unter- und Oberschenkeln waren nach einem Brand schlichtweg zusammengewachsen. Mehr noch, im Laufe der Jahre verhärteten die Narben immer mehr, zogen die Gliedmaßen fester und fester zusammen.


Brandopfer wie die kleine Maria sind häufig in Einsatzmaschinen des Friedensdorfes. In den Kriegs- und Krisenländern, in denen die Oberhausener Hilfsorganisation arbeitet, sind neben Verletzungen durch Sprengkörper vor allem Knochenentzündungen, orthopädische Leiden und Brandverletzungen an der Tagesordnung. In den allermeisten Fällen sind Wunden der Kinder unbehandelt, ihre schweren Verletzungen sind vernarbt, eine Funktion von Armen, Beinen oder auch die Beweglichkeit der Halspartien sind stark eingeschränkt oder wie bei den Händchen der vierjährigen Shakzoda gar nicht mehr beweglich.
Eine Verpuffung oder Explosion mit Benzin oder Öl daheim in der Provinz Buchara liessen Shakzodas Haut schon im Januar 2018 verbrennen. Da war die Kleine noch ein Baby. Ihre Familie ist bitterarm, erst jetzt mehr als drei Jahre später kam für die kleine Usbekin mit dem Friedensdorfeinsatz die Rettung.Doch längst sind Shakzodas Narbenstränge verhärtet. Sie müssen in mehreren Operationen behutsam gelöst werden.
Operieren wird das Mädchen Dr. Heinz Grunwald im Emmericher St. Willibrord-Spital. Grunwald ist ein erfahrener Handchirurg, der für das Friedensdorf schon viele dutzend junge Brandopfer versorgt hat.
Weitere Behandlungen sollen dann im neuen, hochmodernen Friedensdorf-Eingriffraum erfolgen. Der steht auf dem Gelände des Friedensdorfes an der Oberhausener Rua Hiroshima und wurde erst von einem halben Jahr in Betrieb genommen. Ein Millionenprojekt, finanziert ausschließlich durch Spenden. Seit immer weniger Krankenhäuser – auch aus der wirtschaftlichen Lage heraus – keine Friedensdorf-Patienten mehr behandeln können, entschloss man sich im Friedensdorf selber zu bauen. Kleinere Operationen, ausgeführt von ehrenamtlich operierenden Ärzten, werden jetzt dort durchgeführt. Auch Shakzoda wird nach den großen OPs in Emmerich im Friedensdorf im Oberhausener Stadtteil Schmachtendorf weiterbehandelt.


Dort leben derzeit 73 Kinder aus Ländern wie Angola, Usbekistan oder Afghanistan und warten auf die Heimkehr zu ihren Eltern. Shakzoda wird noch eine Weile länger im Dorf bleiben müssen. Dort ist sie ein normales Kinder, spielt mit den anderen Kindern und lernt ein wenig deutsch. „Ihr erstes Wort war Chips“ erinnert sich Vivian.

Für die kleine Usbekin muss es dann auch ein besonderer Tag gewesen sein, als sie Andreas Herlinghaus und Frank Schmidt kennenlernte.
Die beiden Ex-Feuerwehrmänner der Solinger Berufsfeuerwehr haben in der Kleinen eine neue Freundin gewonnen, der sie gerne helfen möchten.
Friedensdorf in Dorp


Und so waren sie eines der beiden Rallye-Teams, die für das Friedensdorf die 6000 Kilometer lange Strecke der Six Bridges Rallye auf sich nahmen und alle baugleichen Brücken wie der Müngstener Brücke besuchten. „Brücken verbinden und wir als Feuerwehrleute wissen, was Brandopfer erleiden müssen“, sagt Andreas Herlinghaus, selbst längst Vater und Opa. Für Skakzodas Behandlung sammelten sie bereits über 6000 Euro. 
Geld das gut angelegt ist, aber niemals reichen kann. Zu aufwendig ist die Behandlung, Operationen kosten trotz ehrenamtlich tätiger Ärzte Geld, hinzu kommt der Betrieb des neuen Eingreifsraum, hinzu kommen Cremes, Gymnastik, Therapien. In Usbekistan sagt man: „Alle geben einen Faden für das Hemd des Armen“. Ein schöner Gedanke, der zur Heilung und Genesung der kleinen Usbekin führen wird.


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