Das gedruckte Buch begeistert immer noch.

Barbara Scheplitz zum Welttag des Buches am 23. April.

Seit April 1995 gibt es weltweit den von der UNESCO eingerichteten Welttag des Buches. Dieser Tag erinnert daran, dass Bücher und die Fähigkeit, sie zu lesen und zu verstehen, ganz wichtig für unsere Kultur, Gesellschaft und jeden Einzelnen sind. Selbst auf Tiktok präsentieren Lesebegeisterte ihre Empfehlungen unter dem Hashtag #Booktok.

Schreiben und Lesen sind Errungenschaften der Menschheit und werden seit Jahrtausenden gelehrt. Waren Schrift und Texte früher nur wenigen Auserwählten vorbehalten, so gibt es heute unzählige Bücher für alle Altersstufen, Interessen und Lebenssituationen, verfügbar in Bibliotheken, Buchhandlungen oder digital. Das Lesen und Verstehen von Texten befähigt uns am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen: in Schule, Beruf, im Straßenverkehr, beim Einkaufen, bei der Kommunikation mit Behörden, usw.

Darum ist es so wichtig schon die Kleinsten für das Lesen zu begeistern. Beginnen wir bei den Kleinkindern, für die die gemeinsame Vorlesezeit mit den Eltern oder anderen Vertrauenspersonen etwas ganz Besonderes ist. Schon ganz Kleine verstehen erste Wörter, knüpfen Verbindungen und entwickeln Gefühl für Sprache und Wortschatz. Sie konzentrieren und fokussieren sich, Sprache wird erlernt.

Vorlesen schafft Nähe, vergrößert den Wortschatz, macht erfinderisch und regt die Fantasie an. Das Gehörte wird verarbeitet und mit dem eigenen Leben verknüpft. Vorlesen macht empathisch, Kinderbuchhelden sind schwach, ängstlich, stark, schlau und witzig. Kinder übernehmen ihre Perspektive und sehen die Welt mit anderen Augen. Das schafft Mitgefühl und hilft, andere zu verstehen.

Vorlesen macht Kinder zu Problemlösern: Aus Büchern lernen sie Lösungen für Probleme und Schwierigkeiten zu finden. Vorlesen macht schlau, denn aus Sachbüchern und Abenteuergeschichten lernen Kinder etwas über unsere Welt und werden oft zu beeindruckenden Spezialisten. Ich denke an Fünfjährige in unserer Buchhandlung, die jeden Dinosaurier mit lateinischem Namen nennen können und alles über ihn wissen. Oder an eine Referentin des Ravensburger Verlags, die erzählte, dass sie bei den Illustrationen der Kinderbuchreihe „Wieso weshalb warum“ (4-7 Jahre) penibel genau arbeiten müssen, da die kleinen Leser und Leserinnen jeden kleinsten Fehler erkennen, und sei es nur eine falsche Schraube am Feuerwehrwagen.

Buchhändlerin Barbara Scheplitz

Vorlesen macht Lust auf Lesenlernen, und das begleitet uns ein Leben lang und ist unverzichtbar für alle Berufe. Kinder und Jugendliche, die gut lesen können und mit Büchern vertraut sind, schneiden in fast allen Schulfächern besser ab als Kinder, denen nicht vorgelesen wurde. Vorlesen und Lesen sind die Grundlagen für eine erfolgreiche Schulzeit. Auch auf das Gehirn Erwachsener hat das Lesen viele positive Auswirkungen, ja es kann sogar die Lebenserwartung steigern.

Lesen bildet. Wir wechseln die Perspektive, blicken über unseren Tellerrand, beleuchten Themen aus verschiedenen Blickwinkeln, setzen uns mit anderen Meinungen auseinander, tauchen ab in ferne Welten, kommen zur Ruhe, entspannen in einer schnelllebigen Umwelt, blenden digitale Medien mal komplett aus, erweitern unsere verbale Intelligenz und beugen letztlich dementiellen Erkrankungen vor.

Nun ist das gedruckte Buch durch die Digitalisierung scheinbar in eine Krise geraten und sein baldiges Ende wurde schon vor Jahren prognostiziert. Viele Bücher werden heute digital auf Readern gelesen. Manchen Menschen, vor allem jüngeren, fehlt die Konzentration für ein ganzes Buch.

Zum Ende des gedruckten Buches ist es zum Glück ganz und gar nicht gekommen. Und das liegt wiederum an vielen jungen Leuten, die heute eine neue Begeisterung für das haptische Lesen eines gedruckten Buches entwickeln. Angeregt durch soziale Plattformen wie z.B. Tiktok präsentieren Lesebegeisterte ihre Lieblingsbücher unter dem Hashtag #Booktok und erreichen damit Millionen. Besonders beliebt sind die Genres Romance und Fantasy, aber auch Klassiker wie Jane Austen werden gekauft, gelesen und gesammelt. Oft sind die Bücher für diese Fans inzwischen mit wunderschönen kunstvollen Farbschnitten ausgestattet, die sie hochwertig machen.

Diese Trendwende hin zum gedruckten Buch für junge Leute hat die Buchhandelslandschaft in Deutschland komplett verändert. Die meisten Buchhandlungen bieten inzwischen für diese Zielgruppe ein besonderes Sortiment an, das bei den mit digitalen Medien Aufwachsenden, den Digital Natives, gut ankommt.

Die Bibel - das Buch der Bücher

Das macht zuversichtlich für die Zukunft. Das gedruckte Buch, das Jahrhunderte unserer Menschheitsgeschichte geprägt hat, wird so schnell nicht verschwinden, sondern immer wieder Menschen begeistern und in ihrer Zeit ansprechen. Nehmen wir alle, Große und Kleine, diesen Welttag des Buches zum Anlass, mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen und in eine wunderbare Geschichte abzutauchen.

Barbara Scheplitz, Buchhändlerin in Solingen (Thalia)

 

In der Dorper Gemeindebücherei können dreimal in der Woche (Mittwoch, Donnerstag, Sonntag) Bücher ausgeliehen werden

Barbara Scheplitz

Marcus Nicolini, privat